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Am Ostermontag wird Judas erschossen

Griechenland.

Ostern in Griechenland - das sollten Sie einmal erlebt haben! Ich war in dem Nest Asini am Peloponnes dabei, wie Judas erschossen wurde!

Ostern nahe der Stadt Nafplio - das ist wie Weihnachten, Silvester, Geburtstag, "Big Fat Greek Wedding" und ein Spektakel für harte Männer zusammen! Und - es fällt nur selten mit dem westlichen Osterfest zusammen. 

Quartieren Sie sich zu Ostern in einem griechischen Hotel ein - so werden Sie sich bestimmt wie als einziger Nichtgrieche im Film "Big Fat Greek Wedding" fühlen: Hauptsächlich sind die Herbergen mit Griechenland-Auswanderern gefüllt, die zum größten Fest des Jahres ihre Familien treffen. Und überall werden Sie erleben, wie liebenswürdige Macho-Papas die Festtagstafeln anführen, an den Mädchen in viel zu knappen Minis, Burschen kurios herausgeputzt, Männer mit Bärten, Frauen mit auffrisierten Haaren sitzen und ausgelassen feiern.

Oster-Kitsch an jedem Kreisverkehr

Überall im Ort finden sich riesige bunte Ostereier und bisweilen kitschige Osterfiguren - auch an Straßenkreuzungen und Kreisverkehre. In Nafplio habe ich den Karfreitag wie einen richtigen Trauertag erlebt - Musikkapellen spielen Trauermärsche, das Militär führt den Trauerzug mit dem "Leichentuch" Christi, der ganze Platz ist voll mit Menschen, ein hoher Geistlicher zelebriert. 

Richtig heiß her geht's am Karsamstag - in der Osternacht: Man trifft sich meist nur vor der Kirche, die endlosen Zeremonien verfolgen nur wenige mit, die meisten schauen immer nur kurz rein, sonst wird getratscht. Kinder haben Osterkerzen in der Hand, die - für Buben mit Fußballpuppen, für Mädchen mit Barbies geschmückt sind.

 

Die älteren Burschen haben ihre selbstgebastelten Kracher mit dabei und können es kaum erwarten, bis der Priester am Ende der Zeremonie Χριστός ἀνέστη (Christos Anesti" - Christus ist auferstanden") ruft, und die Menge antwortet: Ἀληθῶς ἀνέστη! (Alithos Anesri - Er ist wahrhaft auferstanden). 

Kaum ist das heraußen, wird wie wild drauf los geballert und gekracht, Feuerwerkskörper erhellen die Nacht, die Griechen umarmen und küssen einander, und wir sind auch als Fremde schnell Teil der Ostergesellschaft.

Das typisch griechische Festtagsessen lassen wir aber lieber aus: Μαγειρίτσα, Magiritsa - eine Suppe aus Lamm-Innereien.

Dafür gibt's am Ostersonntag in Neapoli   ein großes Osterfest mit Gratis-Lamm, Musik, Tanz und griechischem Wein. Ein riesiges  Pfarrfest auf dem Hauptplatz - und ich als einziger Nichtgrieche mitten drin. 

2. Das Judas-Massaker

Das war aber alles noch nichts gegen das, was sich am Ostermontag im Dorf Asini abspielt: Hier wird am Nachmittag Judas erschossen! Burschen haben aus Stroh eine riesige Puppe gebastelt, die sie auf einem Pick-up durch den Ort führen. Dahinter die Motorrad-Gang des Ortes und am Straßenrand Burschen mit ihren Knallkörpern, die damit wild auf die Puppe zielen. Das soll Judas darstellen, und der muss für den Verrat Christi büßen.

Yannis bringt mich mit seinem Motorrad zum Hügel neben der Kirche, wo schon ein Galgen steht. Drauf wird der Stroh-Judas aufgehängt. Rundherum haben sich Männer und eine Frau versammelt, alle bewaffnet mit Flinten. Ein Kamera-Team aus Athen ist auch da. Der Kameramann gibt den Startschuss, und schon ballern alle wild auf den Judas. Aber nur kurz. Denn es beginnt zu regnen, und nass werden wollen die wackeren Männer von Asini nun wirklich nicht.

Tipp

 

Leonidas Kades von Lato Reisen hat kleine, nette Hotels am Peloponnes und in der Nähe von Asini im Programm. Er gibt auch gerne Insider-Tipps, wie man Ostern in Griechenland hautnah erleben kann.

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Ich bin freier Reise- und Videojournalist mit Leib und Seele und Marketing-Experte für Tourismus. Ich war 23 Jahre lang Reise-Redakteur bei der österreichischen Tageszeitung KURIER und produziere seit 2015  Video-Reportagen mit vielen Insider-Tipps auf eigenen Kanälen.

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